Hausschwamm

Der Echte Hausschwamm gehört zur Abteilung Echte Pilze, Eumycota, Klasse Ständerpilze, Basidiomycetes, Ordnung Aphyllophorales, Familie Warzenschwämme, Coniopharaceae, Gattungen Coniophora und Serpula. Im Brockhaus wird er zu den Löcherpilzen bzw. im Brockhaus Biologie zu den Porlingen mit den Namen Merulius lacrimans ( = Merulius domesticus) zugeordnet. Zur Familie Porlinge, Poriaceae, gehört z.B. der Weiße Porenschwamm, Poria vaporaria, der wegen dem ähnlichen Schadensbild, brauner Würfelbruch (Destruktionsfäule) verwechselt wird. Der Echte Hausschwamm ist auch unter dem Namen Merulius lacrimans bekannt. Die Gattung Merulius wurde von Fries nach rein äußerlichen Merkmalen aufgestellt, was zu dieser Zeit sicherlich auch nicht anders möglich war. Zu dieser Familie Fältlinge, Meruliaceae, werden die hellsporigen Arten berücksichtigt. Von Persoon wurden die braunsporigen Vertreter in die Gattung Serpula eingeordnet.

Schadensbild

Charakteristisch ist die Braunfäule (Destruktionsfäule). Dieser Pilz hat sich auf den Abbau von Zellulose spezialisiert. Übrig bleibt das Lignin, welches ein braunes Aussehen hat. Geschädigtes Holz hat an Holzoberfläche kubische Würfel mit meist 2 cm Kantenlänge. Die Würfelbrüchigkeit ist dunkel bis leuchtend braun. Bei wirksamer Luftumspülung der Balken erfolgt ein Wachstum nur im Holzinneren. Bei brettartig verbautem Holz wölbt sich dieses rundrückig nach Außen, Bei z.B. befallenen Türzargen oder Sockelverkleidungen aus Holz gibt es eine leichte Verwölbung, die oft nur an dem Abplatzen der Farbe zu erkennen ist. Bei optimalen und lang andauernden Befall kommt es zur vollständigen Zerstörung der Holzkonstruktion. Durch die verdeckte Schadensausbreitung sind die Schäden erst relativ spät erkennbar. Weiterhin typisch für den holzzerstörenden Pilz ist der Fruchtkörper und das ausgebildete schmutzig graue Myzel.

Der Echte Hausschwamm ist ein rein saprotropher Pilz, dass heißt, er befällt totes und verbautes Holz.

Destruktionsfäule: Durch den Abbau der Zellulose des Holzes wird die Grundstruktur des Holzes zerstört. Übrig bleibt das braune Lignin. Es entstehen Risse im Holz quer zur Fasserrichtung. Das Holz verliert an Festigkeit und es kann nicht mehr die Kräfte ableiten.

Korrosionsfäule: Von einigen Pilzen wird zuerst das Lignin abgebaut (später oft auch die Zellulose). Die weiße Zellulose bleibt übrig (Weißfäule). Das Lignin wird zur stärkeren Festigkeit des Holzes von den Pflanzen in das Zellulosegerüst eingelagert. Bei dieser Holzzerstörung bleibt daher die Struktur weitestgehend erhalten, und das Holz wird nur weicher.

Wachstumsfaktoren
a) Feuchtigkeit

Die in Gebäuden vorkommenden Hausfäulepilze werden in zwei Gruppen nach ihrem Feuchteanspruch unterteilt.

Gruppe nur vom Echten Hausschwamm vertreten (15-30%)
Gruppe der Naußfäulepilze (30-80%)
Niedere Pilze ( ab 80%)

Der Echte Hausschwamm benötigt nur zu Beginn seines Wachstums eine höhere Holzfeuchtigkeit von ca. 30% bis 40%. Als Minimum wird 17 bis 20% und als Maximum 90% angegeben. (Mombächer et. 1988) Zum Vergleich bevorzugt der Kellerschwamm (Coniophora puteana) eine Holzfeuchtigkeit von 45 bis ca. 70% und der Weiße Porenschwamm (Poria vaporaria) 30 bis 50%. Eine hohe Holzfeuchtigkeit benötigt der Ausgebreitete Hausporling (Weißfäulepilz), deren Schaden einen beträchtlichen Umfang annehmen kann, wobei der oft auch gleichzeitig an den etwas trockneren Randbereichen vorkommende Echte Hausschwamm im Verhältnis unbedeutend ist. Allerdings dann über die Zeit den größeren Schaden anrichtet.

Je nach Feuchtigkeitsgrad wachsen bestimmte holzzerstörende Pilze. Dabei können sich andere nicht bzw. nur sehr gering ausbreiten. Dieser Fakt ist zu beachten, wenn z.B. Wasserleitungsschäden oder andere starke Durchfeuchtungen vorliegen. Bei einer kurzzeitigen starken Durchfeuchtung kommt es eher zum Wachstum von Naßfäulepilze, wie den Muschelkrempling oder einer der anderen oben genannten Naßfäulepilze. Es ist hier eine schnelle und zügige Trocknung aller Holz- und anderer berührenden Bauteile vorzunehmen. (Z.B. In der Holzbalkendecke das Holz, die Schüttung und das angrenzende Mauerwerk.) Damit kann sich das Myzel des Echten Hausschwamms nicht bzw. nur ungenügend entwickeln, da die optimale Feuchte für sein Wachstum nur kurzzeitig vorliegt. Junges Myzel stirbt nach einer bestimmten Zeit nach der Trocknung ab. Die Phase der Trockenstarre hängt von der Größe, der anderen Umgebungseinflüssen und sicherlich auch vom Stamm selbst ab.

Feuchte Räume mit wasserdampfgesättigter Luft sind für das Pilzwachstum besonders förderlich. Sinkt die Luftfeuchtigkeit unter 95%, so lässt die Zerstörungstätigkeit der Hausfäulepilze erheblich nach. Die Luftfeuchtigkeit steht im Zusammenhang mit der Substratfeuchte.

Alle Pilze erzeugen bei ihrem Stoffwechselprozeß Wasser. Beim Abbau der Zellulose werden Wasser und Kohlendioxid frei. Sie schaffen sich so einen Teil der benötigten Feuchtigkeit selbst "Atemwasser". Man bezeichnet diesen Fäuletyp als Trockenfäule. Bei einer guten Lüftung kann dieses Wasser abgeführt werden. Der Echte Hausschwamm hat sich besonders spezialisiert und kann so auch unter der Fasersättigung (bei ca. 30% Holzfeuchtigkeit) wachsen. In mehreren Fällen betrug über längere Zeit die Holzfeuchtigkeit 12%-13%. Ab einer bestimmten Größe kann sich das Myzel auch auf trockenem Holz oder andere zellulosehaltige Stoffe ausbreiten. Hier wird das notwendige Wasser über das Strangmyzel transportiert.

Das Strangmyzel wächst nicht kreuz und quer durch das Gebäude. Also auch nicht von einer Etage zur anderen. Der Pilz bleibt grundsätzlich in der Nähe des befallenen Holzes, was zu Beginn des Befalls ausreichend feucht war. Beim Wachstum breitet sich das Myzel auf der Holzoberfläche aus, meist in die Richtung, wo eine höhere Holzfeuchtigkeit vorliegt. Z.B. bei einem Wasserschaden läuft Wasser in die Holzbalkendecke. Diese liegt in der Regel nicht exakt Horizontal. Das Wasser läuft in eine Richtung. Dieser Bereich wird zu erst befallen. Wird das darunter liegende Mauerwerk ebenfalls durchfeuchtet und bleibt dieses auch lange nass, so wächst hier das Myzel zwischen Mauerstein und Putz und gewinnt so das erforderliche Wasser. Vorwiegend sind die Mörtelfugen durchwachsen.

Längere Stränge konnte ich nur in den unteren Eckbereichen der Fußboden- und Wandanschlüsse feststellen. Das sind auch typische Stellen, wo die Feuchtigkeit im Raum am größten ist. Da das Holz an einem Ende befallen wird, ist es zwangsläufig irgendwann auch am anderen Ende geschädigt, z.B. die Bundwandstiele, Fachwerkhölzer, Deckenbalken u.a. Ab einer bestimmten Größe kann das Myzel auch Bauwerksteile oder Erdschichten durchwachsen ohne in diesem Bereich eine Nahrungsquelle vorzufinden. Geht jedoch die abgebaute Nahrungsquelle (Holz o.ä.) zu neige, so kann kein neues Zellmaterial aufgebaut werden. Sind z.B. zwei Etagen befallen, so handelt es sich meist um zwei einzelne Befallsbereiche. Ein Bewuchs von einer Etage zur anderen ist über mehre Jahre möglich, was im bewohnten Zustand kaum möglich ist, da vorher die Türzargen oder die Wandverkleidung aus Holz abfallen oder die Bundwand solche Risse bekommen hat, dass bereits Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden.

Beispiele für gefährdete Bereiche, wo durch ungenügende Lüftung die Luftfeuchtigkeit sehr hoch sein kann:

  • Speiseschränke,
  • nicht genutzte AWC,
  • Kellerräume,
  • Zimmerecken hinter Schränken und kalter Außenwand,
  • Fehlböden bei Holzbalkendecken an beanspruchte Außenwände mit Schlagregen wo die Dielen und Fußbodenleisten verschlossen sind u.a.m. Salzbelastetes Mauerwerk z.B. am Drempelmauerwerk (Das Salz ist hygroskopisch und liefert so genügend Feuchtigkeit


b) Temperatur
Holzzerstörende Pilze entwickeln sich in einem Temperaturbereich der minimal bei etwa 2...5°C und maximal bei 35...40°C liegt. Innerhalb dieses Bereiches hat jede Pilzart ein bestimmtes Optimum. Dabei liegt die höhere Wachstumsgeschwindigkeit im höheren Bereich. In der nachfolgenden Tabelle werden ausgewählte holzzerstörende Pilze gegenübergestellt.

Pilzart optimale Temperatur Wachstum mm pro Tag
Serpula lacrimans (Echter Hausschwamm) 20°C um 8 mm
Serpula himantioides (Wilder Hausschwamm) 20-25°C um 7 mm
Coniophora puteana (Brauner Kellerschwamm) 22°C um 11 mm
Antrodia vaillantii (Weißer Porenschwamm) 28°C um 12 mm
Gloephyllum trabeum (Balkenblättling) 34°C um 14-15 mm
Stereum hirsutum (Zottiger Schichtpilz) 25°C um 19 mm
Trametes versicolor (Schmetterlingsporling) 30 um 18 mm



Sanierungsmaßnahmen
In mehreren Bundesländern, wie auch in Sachsen, unterliegt ein Befall des Gebäudes durch den Echten Hausschwamm entsprechend der Bauordnung (z.B. SächsBO § 16 Abs. 2) der Meldepflicht der Bauaufsichtsbehörde. Die Bekämpfung und Schadensbeseitigung ist durch ein Fachunternehmen auf der Grundlage einer Sachverständigeneinschätzung vorzunehmen.

Als erste sinnvolle Bekämpfungsmaßnahme sind grundsätzlich die Ursachen und möglichen Feuchtigkeitsquellen zu beseitigen.

Kann eine sofortige vollständige Sanierung nicht erfolgen, so sollte das Wachstum des Pilzes weitestgehend unterbunden werden. Eine wichtige Grundlage ist die Freilegung des Schadensbereiches, so dass die Holzbalken oder andere tragenden Holzteile durch Luftumspülung gut abtrocknen können. Auch direktes Sonnenlicht bewirkt eine Verringerung der Wachstumsgeschwindigkeit. Ebenso wird die Schadensausbreitung sichtbar und es können entsprechende sinnvolle Sicherungsmaßnahmen, wie Abstützen, Sperrung des Bereiches vorgenommen werden. Ohne Freilegung und Feststellung der Ausbreitung bleibt der Befall ein nicht kalkulierbares Risiko.

Die bei Echtem Hausschwamm anzuwendenden Bekämpfungsmaßnahmen sind im Merkblatt 1-2-91 des Wissenschaftlich-Technischen Arbeitskreises für Denkmalpflege und Bauwerksanierung (WTA) wie folgt festgelegt:
Myzel einschließlich der Stränge und gegebenenfalls Fruchtkörper sind zu entfernen, Befallene Holzteile einschließlich eines Sicherheitsabstandes von in der Regel mindestens 1 Meter über den sichtbaren Befall hinaus in Längsrichtung der Hölzer sind zu entfernen/abzuschneiden.

Durchwachsene Schüttung einschließlich der Einschubbretter sind in ausreichendem Sicherheitsabstand über den erkennbaren Befall hinaus, in der Regel 1,5 m, in alle Richtungen zu entfernen und durch einwandfreie, trockene Baustoffe zu ersetzen (DIN 68800 Teil 4, Pkt. 4 und Beuth-Kommentar zum Holzschutz 1998 von der DGfH).

Um nicht Ausgangspunkt für einen erneuten Befall zu werden, sind die entfernten Pilzmaterialien sowie alle befallenen Baustoffe und Bauteile unverzüglich zu sichern und geordnet zu entsorgen.

Als wesentliche bauliche Maßnahmen sind die Ursachen der erhöhten Feuchte von Holz und Mauerwerk festzustellen und zu beseitigen sowie erneute Feuchteeinwirkungen auszuschließen, insbesondere durch gute Abdichtung gegen aufsteigende Feuchtigkeit und Kondenswasser und ausreichende Lüftungsverhältnisse.

Wird Holz neu eingebaut, müssen die in DIN 68800 Teil 2 geforderten baulich-konstruktiven Maßnahmen beachtet werden.

Es ist dafür zu sorgen, dass sanierte Bauteile (Holz, Mauerwerk) unverzüglich austrocknen.

Verbliebenes, nicht befallenes Holz sowie alles neu einzubauende Holz sind ihrer Gefährdung entsprechend, mit einem zugelassenen Holzschutzmittel vorbeugend zu schützen.

Behandlung des Mauerwerks:
Ausgangspunkte der Mauerwerksbehandlung sind das Entfernen aller Pilzteile (Myzel, Stränge, Fruchtkörper),z.B. auch der Abbruch des Mauerwerkes, einschließlich des befallenen Putzes und das 2 cm tiefe Auskratzen der Mauerwerksfugen. Bei allen Bekämpfungsmaßnahmen ist eine Sicherheitszone von 1,50 m über den sichtbar befallenen Bereich hinaus (in alle Richtungen) einzuhalten.

Sofern nicht auf chemische Maßnahmen verzichtet werden kann, ist befallenes Mauerwerk grundsätzlich mit einem allgemein bauaufsichtlich zugelassenen Bekämpfungsmittel von Schwamm im Mauerwerk zu behandeln, um einen Übergriff auf benachbarte Hölzer zu vermeiden. Als Einbringverfahren kommen eine Bohrlochtränkung oder ein Verpressen durch Druckinjektion in Frage. Für die Behandlung von Mauerwerk ist zum Beispiel Basilit M, Basilit M-P, Adolit M flüssig, Adolit SM, Diffusit M, Diffusit MQ, impra-MSK 10, impralit-B 1 flüssig, impralit-BBS, Kulbasal M, Serpalit 2000 geeignet oder andere Mittel mit der Kennzeichnung M mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung. Vom DIBt wurden zum Teil die Zulassung nicht mehr bestätigt. Die Zugabe zum Mauermörtel kann genau dosiert werden. Es wird so eine wirklich funktionierende Wirkstoffsperre aufgebaut. Bei einer Mauerinjektage kann dies hingegen nicht genau bestimmt werden.