Ratten- und Mausbekämpfung ist Sache des Schädlingsbekämpfers. Dieser weiss um die Biologie, Verhaltensweisen, angerichteten Schäden und um eine vernünftige Bekämpfungsmethode, die immer individuell und ortsangepasst sein sollte.

 

So werden unnötige Schäden aus Bekämpfung vermieden, es spart Zeit und Nerven, denn das Wissen um einen erfahrenen Fachmann vor Ort ist für viele Menschen sehr beruhigend.

 

 

Wanderratte (rattus norvegicus)

Volksmund: Kanalratte

 

Aussehen: Körperoberfläche grau- rotbraun oder schwärzlich (Jungtiere), Bauchseite grauweiß bis grau. Kopf-Rumpflänge 20-28 cm, Schwanzlänge 17-23 cm. Gewicht erwachsener Tiere 270 - 580 Gramm und mehr.

 

Entwicklung: Bis 5 Würfe jährlich, jeweils 7-8 Junge, Tragezeit 22-24 Tage, Geschlechtsreife nach 3 Monaten, Durchschnittsalter 1 Jahr, Höchstalter 3 Jahre

 

Paarung: erfolgt zumeist April - Oktober, mitunter ganzjährig, je nach Nahrungsangebot

 

Lebensweise: Dämmerungsaktiv, nachtaktiv, gute Schwimmer und Kletterer, Tauchen, springen bis 75 cm hoch, bis 150 cm weit, leben meist in größeren Rudeln (Sippen). Eine Ratte verzehrt täglich 25-30 Gramm Nahrung.

 

Nahrung: Allesfresser, Samen, Getreide, Gemüse, Obst, tierische Nahrung - Küken, Mäuse, Vögel, junge Kaninchen, erbeuten Forellen aus Zuchten, Vogelgelege werden ausgenommen, bei reichlich Auswahl wird schlechtes Futter verschmäht, sehr wählerisch, klettern an Bäumen hoch um an Futter zu gelangen (Jungvögel, Vogeleier, Knospen, Samen), Aufnahme von Aas, Kannibalismus bekannt

 

Besonderheit: Raubtierhaftes Verhalten, Nagen andere Säugetiere an, töten diese mitunter durch Rattenbisskrankheit - Schafe, Schweine, Zootiere, Möwen, Enten, Hühner, Gänse, fangen auch Fische.

 

Wohnen: Müllplätze, Gewässerufer, hier legen sie Erdbaue an, bis 1,5m Tiefe, einem Eingang und 1-2 Fluchtgänge, in den Bauen Wohnkessel und Nahrungskessel.

Der Wohnkessel wird mit Gras, Blättern und Papier ausgepolstert, der Nahrungskessel mit Vorräten ausgestattet. Markieren der Laufwege mit Urin.

 

In Städten leben sie vor allem in der Kanalisation aufgrund günstiger Temperaturen und Nahrung über Küchenabfälle, treten von hier ausgehend an der Erdoberfläche auf.

 

In ländlichen Gebieten in beheizten Tierställen.

 

Suchen zum Winter hin die Gebäude des Menschen auf, legen teils 500m, im Einzelfall bis 3km zurück.

 

Krankheitsübertragung: Leptospirose, Rattenbisskrankheit, eine Ratte hinterlässt im Jahr bis sieben Liter Urin und bis zu 11.000 Kotpartikel, gefährliche Krankheitsübertrage können  hier enthalten sein

 

Natürliche Feinde: Rotfuchs, Marder, Iltis, Hauskatze, Hund, Waldkauz

 

 

 

 

Ich mag am liebsten Möhrchen

Vorratskammer in der Couch

Nageschäden im Dachboden

 

 

Könige der Unterwelt

Ratten vermehren sich in Deutschland in den vergangenen Jahren explosionsartig! Die Finanzmisere der Kommunen trägt einen grossen Teil zu dieser Entwicklung bei. Früher wurden die Ratten in den Abwasserkanälen regelmässig bekämpft. Heute geschieht dies aus Kostengründen nur noch bei Bedarf.

Ratten stammen zwar ursprünglich aus den Steppen Zentralasiens, seit Jahrhunderten aber schon sind sie in allen europäischen Städten verbreitet. Ratten sind übrigens die einzigen Säugetiere, denen ein permanentes Überleben in der Kanalisation der Städte möglich ist. Sie gelten als Überträger vieler Krankheitserreger (Hanta-Virus; Fleckfieber; Leptospirose) und können daher für Mensch, Vieh und Haustier gefährlich werden. Die Pest hat zwar bei uns heutzutage keine Bedeutung mehr - dagegen kann der Erreger der Weil‘schen Krankheit über verunreinigte Lebensmittel beim Menschen Gelbsucht hervorrufen. Ratten können Salmonellen, z.B. Typhus und Paratyphus, übertragen und sind bei der Viehhaltung für die Weiterverbreitung der Trichinose mit verantwortlich. Fachleute schätzen den Bestand in Deutschland auf drei bis vier Tiere pro Einwohner.


Geschichte - Die Pest

Stark verbreitet ist der Irrglaube, dass die Ratten die Träger der Pest-Erreger sind. Das möchten wir hier richtigstellen: Die Pest wurde damals vom Rattenfloh übertragen und somit starben ebenso wie wir Menschen auch die Ratten an dieser Krankheit. Stirbt die Ratte muss sich der Floh einen neuen Wirt suchen. Das kann ein Haustier oder auch der Mensch sein.

Wie das Reiskorn auf dem Schachbrett

Die Wanderratte hat 2 - 4 Würfe mit ca. 8 Jungen im Jahr. Die Jungtiere sind bereits im 3. Lebensmonat fortpflanzungsfähig; das bedeutet, daß ein Rattenpaar theoretisch 1.000 Nachkommen pro Jahr haben kann. Die Wanderratte ist ein Allesfresser, ein großer Teil ihrer Nahrung ist tierischer Herkunft. Sie springt, schwimmt und taucht gut und kann daher nahezu überall eindringen. Ratten leben im Rudel und erkennen sich am Geruch. Ein Auftreten an freien, offenen Plätzen deutet auf einen sehr starken Befall hin.

Ratten sind intelligent

Ratten leben in Rudeln von um die 20 Tiere. Das Leben in der Gruppe erleichtert ihnen die Existenz. Jeder Nager hat seine Aufgabe: Schwache und junge Ratten werden, wenn unbekanntes Futter lockt, als Vorkoster los geschickt - das ist eine Legende - junge Ratten sind halt unerfahren und schwache Ratten haben keine Wahl. Fällt aber eine der Ratten tot um, rührt das restliche Rudel das gefundene Fressen nicht mehr an. Deshalb findet die moderne Rattenbekämpfung mit Blutgerinnungsgiften statt, dadurch verenden die Nager erst Tage, nachdem sie von dem verseuchten Getreide gefressen haben. Ihre Artgenossen können den Zusammenhang mit dem vergifteten Futter nicht mehr herstellen und kosten selbst davon.

Ratten im Hof, hier wohnte eine Sippe von ca 15 Tieren

Es muss immer von Fall zu Fall entschieden werden, welche Bekämpfungsmethode angewandt wird. Oft  setzen wir mechanische Fallen ein. Wichtig ist, dass man die Tiere nicht unnötig leiden lässt. Trotz aller Unpässlichkeiten sollte man jedem Organismus Respekt erweisen.

 

Der mechanische Fallenfang wird unterschätzt und das großartige Wissen voriger Generationen ist weitestgehend verloren gegangen. Wir haben uns deshalb vor langer Zeit dazu entschlossen, den mechanischen Fallenfang als Spezialgebiet wieder zu kultivieren und haben seitdem beste Erfolge erzielt.